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Lebensmittelzusatzstoffe

Hintergrund

Lebkuchenherz

Dschungel der Zusatzstoffe

Die Liste der Zusatzstoffe in vielen Nahrungsmitteln ist lang und kaum einer weiß, was sich hinter den Begriffen und E-Nummern (E steht für EU als einheitliches Zeichen für Zusatzstoffe in Europa) verbirgt. Nur eines ist sicher: der Geschmack, das Aussehen und die Haltbarkeit vieler Produkte sind durch sie stark zu beeinflussen. Mit Hilfe von Zusatzstoffen bleibt beispielsweise die Marmelade aus dem Supermarkt immer gleich rot und riecht auch nach Wochen noch intensiv nach Erdbeeren, während sich bei der selbst gemachten sowohl Farbe als auch Aroma mit der Zeit verändern.

In Deutschland sind 315 Zusatzstoffe zugelassen. Man unterscheidet sie anhand ihrer Wirkungsweise in Säuremittel, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Geliermittel, Emulgatoren, Geschmacksverstärker und Antioxidationsmittel. Darüber hinaus gibt es noch über 3000 Aromastoffe, die ohne Angabe von E-Nummern verwendet werden.

Nicht alle Lebensmittelzusatzstoffe sind gesundheitlich unbedenklich. Vor allem für Allergiker ist wichtig, genau zu wissen, wie sich ein Lebensmittel zusammensetzt.

 

Rat und Tat

Was das E bedeutet

Was verbirgt sich hinter E 122 oder E 951? Was ist eigentlich Benzoesäure oder ein Geschmacksverstärker?

Wer wissen möchte, was die Kürzel bedeuten, wie bestimmte Substanzen aus gesundheitlicher Sicht zu beurteilen sind oder ob der eine oder andere Stoff bei Lebensmittelallergien besser gemieden werden sollte, kann sich in Lebensmittelzusatzstoff-Listen kundig machen: Im Internet steht dazu von der Verbraucher Initiative eine Zusatzstoffliste zur Verfügung. Auch das Zusatzstoffmuseum (s.u.) bietet eine sehr ausführliche Liste lexikon-der-zusatzstoffe.

In gedruckter Formt gibt es eine Lebensmittel-Zusatzstoffliste in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen oder unter Ratgebershop Verbraucherzentrale.

 

Äpfel

Auf den Inhalt kommt es an

Wenn Sie sich möglichst gesund ernähren wollen, meiden Sie Produkte, die Zusatzstoffe enthalten, vor allem solche, die als gesundheitlich bedenklich eingestuft werden.

Kaufen Sie möglichst wenig weiterverarbeitete Produkte oder Fertiggerichte. Salatsoßen, Kartoffelbrei, Quark- oder Joghurtspeisen lassen sich leicht und preiswert selbst zubereiten.

Lesen Sie genau die Zutatenliste. Werbewirksame Aufdrucke wie "ohne Farbstoffe" verschleiern nicht selten andere problematische Zutaten. Achten Sie auch auf die Reihenfolge der Inhaltsstoffe in der Zutatenliste: Was an erster Stelle steht, ist mengenmäßig am meisten enthalten.

Vermeiden Sie Nahrungsmittel mit künstlichen Aromen oder Geschmacksverstärkern. Erhalten Sie sich Ihr natürliches Geschmacksempfinden.

 

Hyperaktiv durch Zusatzstoffe

"Laut einer britischen Studie können künstliche Lebensmittelfarben und Konservierungsmittel bei Kindern hyperaktives Verhalten verstärken.

Viele Lebensmittel enthalten Farb- und Konservierungsstoffe, um die Haltbarkeit zu verlängern oder das Aussehen zu verbessern. Überwiegend kommen die Zusatzstoffe in Getränken, Wursterzeugnissen, Nahrungsergänzungsmitteln sowie Süß- und Backwaren zum Einsatz. Doch die künstlichen Zusatzstoffe der Lebensmittelindustrie verursachen mehr als nur eine farbliche Aufpeppung. Forscher der Universität Southampton stellten nun hyperaktives Verhalten bei Kindern nach häufigem Konsum solcher Lebensmittel fest...

Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder die Mixturen aus Konservierungs- und Farbstoffen tranken, signifikant zur mehr Hyperaktivität als die Kontrollgruppe neigten. Die Hyperaktivität äußerte sich, laut den Untersuchungen, in Unruhe und Konzentrationsschwäche.

Obwohl Farb- und Konservierungsstoffe nicht allein Hyperaktivität bei Kindern auslösen können, prüft derzeit die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Lebensmittelfarben auf ihre Verträglichkeit. Es ist zu hoffen, dass die EFSA weitere Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sowie die soziokulturellen Gegebenheiten berücksichtigt, um eine adäquate Aussage über die Entstehung von Hyperaktivität bei Kindern treffen zu können. Dessen ungeachtet steht fest, dass eine übertriebene Farbgebung den Wunsch von Kindern, insbesondere nach Süßigkeiten verstärkt. Das hierdurch maßgeblich beeinflusste Kauf- und Konsumverhalten fördert frühzeitig die falsche Essgewohnheiten, deren Konsequenzen schon jetzt weitreichend bekannt."

Quelle: Fachgesellschaft Ernährungstherapie und Prävention/fet-ev (2007)

 

Besondere Kennzeichnungspflicht für 6 Lebensmittelfarbstoffe

Das EU-Parlament hat im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes entschieden, dass Lebensmittel mit folgenden Farbstoffen seit 2010 neben der E-Nummer vorsorglich den Aufdruck "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" tragen müssen:

E 102 Tartrazin

E 104 Chinolingelb

E 110 Gelborange S

E 122 Azorubin

E 124 Conchenillerot A

E 129 Allurarot AC

Enthalten sind diese Fabstoffe vor allem in Erfrischungsgetränken, Süßwaren, Speiseeis und feinen Backwaren.

 

Chemiekalien-Behälter vor einem Supermarktregal

Glutamat

Glutamat ist mittlerweile der wichtigste Zusatz in der Nahrungsmittelproduktion.

Es wird als "Geschmacksverstärker" bezeichnet. Genaugenommen ist es eine spezielle Geschmacksrichtung, die deshalb den Appetit anregt, weil sie so gut schmeckt. Auf der Zunge gibt es einen eigenen Geschmacksrezeptor für diese Geschmacksrichtung. Sie heißt "umami" ("köstlich").

Glutamat ist ein Eiweißbaustein und kommt in gebundener und freier Form in fast allen Lebensmitteln von Natur aus vor. Sojasoße, Parmesankäse oder reife Tomaten enthalten natürlicherweise viel freies Glutamat - kein Wunder, dass sie für intensive Würze sorgen. Als Zusatzstoff "peppt" isoliertes Glutamat den Geschmack vieler Fertigprodukte Würzen und Soßen auf. Auf Zutatenlisten findet er sich als Geschmacksverstärker E 620 bis 625 oder auch unter dem Begriff "Würze".

Es gibt eine Überempfindlichkeit gegenüber Glutamat, Betroffene reagieren mit Taubheitsgefühl, Schwindel, Schweißausbrüchen und Übelkeit. In einigen Studien hat Glutamat sogar Asthmaanfälle ausgelöst. Wer unsicher ist, sollte beim Allergologen prüfen lassen, ob er tatsächlich eine Glutamat-Unverträglichkeit hat.

Glutamat steht im Verdacht, das Sättigungsgefühl zu manipulieren. In dem Buch "Der Gefräßig-Macher."(s. u.) stellen die Autoren Michael Hermanussen und Ulrike Gonder wissenschaftliche Studien dazu vor.

 

Schadstoffe in Lebensmitteln

Eine umfangreiche Liste mit Schadstoffen, die in Lebensmitteln vorkommen können befindet sich auf der Website "was wir essen" des aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V.

www.was-wir-essen.de/schadstoffe

Sehr viele ausführliche Informationen rund um das Thema Pflanzenschutz und Rückstände finden Sie auch auf den Ernährungs-Seiten der Verbraucherzentrale www.vz-nrw.de/pestizide

 

Tipps für den Lebensmitteleinkauf

  • Achten Sie auf das Kleingedruckte
  • Bevorzugen Sie frische Waren aus der Region
  • Kaufen Sie bewusst ein
  • Lassen Sie sich nicht von Werbung und einer verheißungsvollen Verpackung verlocken
  • Lange Zutatenlisten deuten darauf hin, dass das Produkt vielfach bearbeitet wurde
  • Fragen Sie bei Unklarheiten nach, lassen Sie sich Informationen, Aussagen schriftlich bescheinigen; vom Händler oder vom Hersteller

 

Für klare Kennzeichnung von Lebensmitteln

Auf www.lebensmittelklarheit.de können Sie Produkte melden, bei denen Sie sich durch Aufmachung oder Kennzeichnung getäuscht fühlen.

Ihre Meldung wird geprüft und der Hersteller um eine Stellungnahme gebeten.

Bestätigt sich Ihre Einschätzung, dass eine Täuschung vorliegt, wird das Produkt, mit Markenname und Produzent im Portal veröffentlicht.

Das Angebot wird vom Bundesverband der Verbraucherzentralen bereitgestellt und vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.

www.lebensmittelklarheit.de

 

Buch "Die Essensfälscher"

"Noch nie waren Lebensmittel so gut wie heute? Von wegen! Thilo Bode, Gründer der Verbraucherorganisation foodwatch, seziert die ausgebufften Strategien der Lebensmittelkonzerne. „Fitness“-Produkte? Machen nicht fit, sondern fett. - Der traditionell und regional hergestellte Schwarzwälder Schinken? Stammt tatsächlich aus Massentierhaltung und kommt aus ganz Europa. - „Gesunde“ Kinderprodukte? Versteckte Zuckerbomben. - Bio-Apfelgetränke? Haben noch nie einen Apfel gesehen…

Bode nimmt Artikel ins Visier, die wir alle kennen – und er nennt Ross und Reiter. Somit dient dieses Buch auch als Anleitung, die unlauteren Praktiken der Nahrungsmittelkonzerne zu boykottieren." www.fischerverlage.de;

Die Angaben zum Buch finden Sie weiter unten unter "Literatur".

 

 

Pinnwand

Deutsches Zusatzstoffmuseum

"In der EU können tausende von Zusätzen wie Aromastoffe, Enzyme, Farbstoffe und Geschmacksverstärker zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden. Viele von ihnen müssen nicht einmal deklariert werden. Selbst bei Bioprodukten sind zahlreiche Zusatzstoffe erlaubt. Ohne diese Zusätze gäbe es viele Lebensmittel gar nicht, andere wären deutlich teurer.

Das Deutsche Zusatzstoffmuseum erklärt, warum das so ist. Es zeigt, wo nicht deklarierte Zusätze enthalten sein können, wie sie manchmal verschleiert werden und welche Möglichkeiten bestehen, auf derartige Zusätze zu verzichten." Quelle und weitere Informationen unter www.zusatzstoffmuseum.de

 

 

 

Linkliste

VerbraucherInitiative e.V. - Liste über Zusatzstoffe im Internet:

www.zusatzstoffe-online.de

 

Bundesministerium für Ernährung und  Landwirtschaft

www.bmelv.de

 

"foodwatch" setzt sich für das Recht der Verbraucher auf sicheres und gutes Essen ein

www.foodwatch.de

 

aid infodienst

Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V.

www.was-wir-essen.de

 

Deutsches Zusatzstoffmuseum

www.zusatzstoffmuseum.de

 

lebensmittellexikon.de

www.lebensmittellexikon.de

 

 

Literatur

Verbraucherzentrale (2015). Was bedeuten die E-Nummern? Lebensmittel-Zusatzstoffe. Verbraucherzentrale Bundesverband.

 

Pollmer, U. (2014). Zusatzstoffe von A bis Z. Was Etiketten verschweigen. Radebeul. Verlag Helmer Pardun

 

Grimm, H-U. (2013). Chemie im Essen. München. Droemer/Knaur Verlag.

 

Bode, T. (2011). Die Essensfälscher: Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen. Frankfurt/M. Fischer Verlag.

 

Hermanussen, M./ Gonder, U. (2008). Der Gefräßig-Macher. Wie uns Glutamat zu Kopfe steigt und warum wir immer dicker werden. Stuttgart. Hirzel-Verlag.

 

 

 

 

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Bildnachweis

Lebkuchenherz: © C.Trischler

Äpfel: © www.oekolandbau.de/ Dominic Menzler

Chemiekalien-Behälter vor einem Supermarktregal: © www.zusatzstoffmuseum.de