

Inhaltsverzeichnis [anzeigen]
Hintergrund
„Biokraftstoffe“ sind flüssige oder gasförmige Kraftstoffe, die aus Biomasse hergestellt werden und als Kraftstoff zum Betrieb von Fahrzeugverbrennungsmotoren bestimmt sind. Unter „Biomasse“ versteht man biologisch abbaubare Teile von Erzeugnissen, Abfällen oder Rückständen der Land- und Forstwirtschaft“. Quelle: www.biokraftstoff-portal.de/nrw
Verschiedene Verfahren und Produkte sind möglich. So genannter Biodiesel ist hierzulande als Kraftstoff nicht mehr unbekannt. Daneben gehören zu den Biokraftstoffen auch Pflanzenöl, Ethanol, Biomethan oder die synthetischen Biomass-to-Liquid (BtL)-Kraftstoffe.
Aus Umweltsicht sind die Bio-Kraftstoffe umstritten. So fordert der Naturschutzbund Deutschland, NABU:
“Die Bundesregierung sollte insgesamt stärkere Anreize für den naturverträglichen Biomasse-Anbau in Deutschland schaffen. Der NABU fordert zudem, mit Hilfe von Zertifikaten sicherzustellen, dass auch die internationale Biomasseproduktion nachhaltig erfolgt ... Die Nachfrage nach Biokraftstoffen steigt weltweit massiv an. Dies darf nicht zum Raubbau an der Umwelt in den Produktionsländern führen. Es hieße den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, wenn statt bisher Erdöl aus den Küstenwäldern Nigerias oder der Wüste Kuwaits künftig Palmöl oder Ethanol von indonesischen und brasilianischen Urwald-Rodungsflächen in deutschen Autos verbrannt würde.“ Quelle: www.nabu.de (30.08.2006)
"...die kritischen Stimmen mehren sich, da für die Produktion von Biokraftstoffen Pflanzen verwendet werden, die auch als Nahrung dienen könnten. Und die Preise für diese Nahrungsmittel steigen.
Jean Ziegler, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat gefordert, die Herstellung von Biokraftstoffen fünf Jahre lang auszusetzen. Nur so ließe sich der weitere Anstieg der Nahrungsmittelpreise stoppen, unter dem vor allem arme Länder litten, die auf den Import von Lebensmitteln angewiesen sind. Zudem hat das Internationale Institut für Wasserwirtschaft gewarnt, dass die ehrgeizigen Pflanzenkraftstoffpläne Chinas und Indiens die Wasservorräte der beiden Länder und damit die Produktion von Lebensmitteln bedrohten. Könnte es also sein, dass Politiker sich auf dem Holzweg befinden, wenn sie weiterhin auf die Energie vom Acker setzen?
Jean Ziegler ist nicht der Einzige, der dem unterschiedslosen Anbau von Biokraftstoffen Skepsis entgegenbringt. Sie seien „der größte Angriff auf die biologische Vielfalt“, urteilt auch der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker ....
Die Artenvielfalt sei durch die gewaltigen Monokulturen der Biospritpflanzen enorm bedroht, kritisiert von Weizsäcker. Ihr Anbau habe nichts mit Klimaschutz zu tun, sondern führe in eine ökologische Krise." Quelle: www.tagesspiegel.de/Biokraftstoff
Rat und Tat
Seit 2011 werden in Deutschland Benzinsorten mit bis zu 10 % Bioethanol angeboten. Die neuen Kraftstoffe werden mit E10 bezeichnet und an den Tankstellen deutlich gekennzeichnet. „E“ steht für Ethanol, „10“ bedeutet 10 %. Mit dem Kraftstoff betankt werden können 90 % aller Autos (Angaben unter e10liste/vertraeglichkeit).
Als einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verringerung der Abhängigkeit vom Öl bewirbt die Bundesregierung die Einführung von E10. Informationen des Bundesumweltministeriums finden Sie unter www.bmu.de
Umweltverbände und Menschenrechtsorganisationen weisen auf die entstandene Konkurrenz zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln und "Energiepflanzen" für Biofraftstoffe. Sie fordern "Vorfahrt für Nahrungsmittel"
(lesen Sie z.B. die Stellungnahme von Greenpeace unter www.greenpeace.de/biosprit_macht_hunger
Das Umweltinstitut München führt eine Infokampagne zum Agrosprit durch und ruft alle Autofahrer zum Boykott des E10-Kraftstoffes auf. umweltinstitut.org/agrosprit-info-kampagne
Die verschiedenen Biokraftstoffarten
Biodiesel
Rapsölmethylester (RME), so der Fachbegriff für Biodiesel aus Rapsöl, wird in Deutschland vor allem durch die Veresterung von Rapsöl hergestellt.
Auch der Begriff FAME taucht im Zusammenhang mit Biodiesel auf. Darunter fallen alle Arten, die durch Veresterung von verschiedenen Pflanzenölen (z.B. Raps-, Palm- und Sojaöl), aber auch von sekundären Rohstoffen, wie recycelten biogenen Ölen oder Fetten, hergestellt werden. Alle derartig gewonnen Kraftstoffe werden allgemein als Biodiesel bezeichnet.
In den meisten Dieselfahrzeugen kann dieser Kraftstoff verwandt werden. Gibt es für den jeweiligen Fahrzeugtyp vom Hersteller eine serienmäßige Freigabe, (sie beschränkt sich zumeist auf Biodiesel aus Rapsöl, RME) so kann das Fahrzeug mit Biodiesel, mit normalem Diesel oder mit einer beliebigen Mischung der beiden betankt werden. Es bietet dem Fahrer eine hohe Flexibilität beim Einsatz von Biodiesel. Dieser ist preiswerter als normaler Diesel. An immer mehr Tankstellen in Deutschland kann der Kraftstoff getankt werden.
Biodiesel wird seit 2004 auch herkömmlichem Diesel beigemischt.
„Biodiesel tanken – das bedeutet, die Umwelt durch sehr gute Abgaswerte zu schonen. Biodiesel hat eine neutrale Kohlendioxid-Bilanz und verringert zudem den Kohlenmonoxidausstoß. Er ist schwefelfrei und seine Emissionen enthalten weniger polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe als fossiler Kraftstoff. Auch der Ausstoß von Rußpartikeln wird durch seine Nutzung deutlich vermindert.“, so die Bilanz des Verbandes der Biokraftstoffindustrie auf der Internetseite . www.biokraftstoffverband.de (30.08.2006)
Nicht außer Acht gelassen werden darf aber, dass der zur Herstellung des Biodiesels nötige Veresterungsprozess aufwendig und energieintensiv ist.
Pflanzenöl
Lieferanten für reinen Pflanzenöl-Kraftstoff sind einheimische Pflanzen. Aus klimatischen Gründen lässt sich Raps hierzulande am kostengünstigsten anbauen und verwerten. Ebenfalls kommen Sonnenblumen in Frage. Weltweit weisen auch Soja, Palmöl und Olivenöl beträchtliche Potenziale auf.
Die Abgaswerte bei Fahrzeugen mit Pflanzenöl sind, so jedenfalls die Befürworter dieses Kraftstoffes, deutlich besser als bei Dieselfahrzeugen. Schwefel ist im Abgas überhaupt nicht vorhanden, die Stickoxid-Werte sind vergleichbar mit denen bei Dieselfahrzeugen, der Rußanteil ist wesentlich geringer.
Pflanzenölfahrzeuge sind CO2-neutral, da nur so viel CO2 “produziert” werden kann, wie die Pflanzen bei ihrem Wachstum der Umwelt “entzogen” haben.
Soll ein Diesel-Kraftfahrzeug störungsfrei und betriebssicher mit Pflanzenöl fahren, muss es entsprechend umgerüstet werden. Serienmäßige Pflanzenöl-Fahrzeuge sind derzeit noch nicht in Sicht.
Informationen und Ansprechpartner zum Fahrzeug-Umrüsten, zu den Varianten Ein-Tank- und Zweitank-System u. ä. finden Sie auf den Internetseiten www.rapstruck.com und www.biokraftstoff-portal.de/nrw
Auf privaten Anwenderseiten wie www.pflanzenoelauto.info oder www.salatoel-auto.de bieten Pflanzenöl-Fahrer Austausch und Informationen.
Bioethanol
Dieser Kraftstoff wird durch die Vergärung aus stärke- oder zuckerhaltigen Pflanzen (Getreide, Zuckerrüben) gewonnen.
Während Pflanzenöl und Biodiesel für Dieselmotoren geeignet sind, kann Bioethanol die Ottokraftstoffe, also Benzin und Superkraftstoffe, ersetzen. In Deutschland wird Bioethanol mit der Inbetriebnahme der ersten großen Ethanolfabriken zurzeit in den Kraftstoffmarkt eingeführt.
Bioethanol kann, nach derzeitiger Regelung, von Mineralölherstellern dem Benzin- und Superkraftstoff bis zu 5% beigemischt werden.
Synthetische Kraftstoffe
Synthetische Kraftstoffe aus Biomasse, BtL (Biomas-to-Liquid), sind in letzter Zeit als Kraftstoffquelle entdeckt worden. Mit ihnen verbinden die entsprechenden Industrien große Hoffnungen. Ihre Bestandteile können genau auf die Anforderungen von Motoren zugeschnitten werden. Für die Herstellung werden verschiedene Bio-Rohstoffe, Reststoffe wie Stroh oder Holzabfälle ebenso wie bestimmte Pflanzen verwandt.
Derartige Kraftstoffe sind für den allgemeinen Verbrauch am Markt noch nicht verfügbar. www.btl-plattform.de
Strategie für einen nachhaltigen Einsatz von Biomasse
Ein Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes zeigt eine langfristige Strategie für die nachhaltige Nutzung von Bioenergie auf.
Anforderungen an die Nachhaltigkeit des Anbaus und die energetische Nutzung von Biomasse werden definiert.
Bioenergie ist nur dann ökologisch sinnvoll, wenn weniger Treibhausgase ausgestoßen und Boden, Wasser und die biologische Vielfalt nicht beeinträchtigt werden.
Den Bericht finden Sie als Download unter www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien.
Ansprechpartner
Bioenergie-Beratung
der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND, zur energetischen Nutzung von Biomase
Der Bund für Umwelt und Naturschutz, hat sich mit der energetische Nutzung von Biomasse auseinandergesetzt und seine Erkenntnisse in einem Positionspapier festgehalten: www.bund.net/position_biomasse.pdf
Hilfe beim umweltbewußten Autokauf
Der Verkehrsclub Deutschland, VCD, bietet auf einer speziellen Internetseite Informationen zu den verschiedenen Fahrzeug- und Antriebsvarianten.
Ist ein Diesel per se umweltfreundlich? Mit welchem Auto darf ich in die Umweltzone einfahren? Muss ein Hybrid an die Steckdose? Sind alternative Antriebe wirklich eine Alternative? Fragen wie diese werden auf der Seite www.besser-autokaufen.de beantwortet.
Unterrichtsmaterialien
Die Unterrichtsmaterialien bereiten die "Bioenergien" und ihre Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Welternährungslage für den Unterricht auf. Die Broschüre (40 Seiten) enthält eine übersichtliche Zusammenstellung der wichtigsten Fakten, eine Kurzskizze der politischen Debatte und zahlreiche Hinweise auf Informationsquellen, Links und weitere Materialien. Didaktische und methodische Vorschläge zur unterrichtlichen Gestaltung (in den Klassen 7 bis 13) und 14 Schülerarbeitsblätter/Kopiervorlagen kommen hinzu.
Das Material umfasst auch eine Quiz-CD. 480 Fragen und 1920 Antwortmöglichkeiten – in zwei Schwierigkeitsstufen – knüpfen am weit-verbreiteten Interesse der Schüler für Quiz-Spiele an und machen unterhaltsam auf wichtige Zusammenhänge in den Themenbereichen Bioenergien, Klimawandel und Welternährung aufmerksam
www.welthaus.de/publikationen-shop
Linkliste
Biokraftstoffseiten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Seite der Rapstruck Pflanzenöltechnologie GmbH
Verband Deutschen Biokraftstoffindustrie
Naturschutzbund Deutschland, NABU
Internetportal von BIENE.BEA.OWL.e.V., der Bioenergie-Plattform für Ostwestfalen-Lippe
Literatur
Umweltbundesamt (2012). Daten zum Verkehr.
Kostenlos zu bestellen oder als Download unter
www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien
Umweltbundesamt (2010). Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards zur Zertifizierung von Biomasse für den internationalen Handel.
www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien
Bundesumweltministerium. (2008). Biogas und Umwelt - Ein Überblick.
Als download unter www.bmu.deIerneuerbare_energien
Wolf, W. (2007). Verkehr. Umwelt. Klima. Wien. Promedia
Eder, B./Eder, F. (2005). Pflanzenöl als Kraftstoff - Autos und Verbrennungsmotoren mit Bioenergie antreiben. Staufen/Freiburg. Ökobuch
Bundesministerium für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft. (2005). Biokraftstoffe. Strategie für Mobilität von morgen. Als download unter biokraftstoffe.pdf
Verwandte Themen
Bildnachweis
Tankstelle für Biodiesel: © Brigitte Hiss / Bundesumweltministerium
Rapsfeld: © Brigitte Hiss / Bundesumweltministerium
Landwirtschaftlicher Betrieb mit Biogasanlage: © Bernd Müller / Bundesumweltministerium