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Hintergrund
Von der Haarspange bis zur Schuhsohle sind wir umgeben von Kunststoffen.
Sie sind leicht, in allen Farben erhältlich, preiswert und nicht zerbrechlich.
Zu viele dieser alltäglichen Gegenstände enthalten aber auch Gefahren für die Gesundheit und/oder belasten die Umwelt in hohem Maße.
Küchengegenstände aus Glas Porzellan oder Holz können umweltfreundlich entsorgt werden. Ausgedientes Kunststoffgeschirr dagegen verrottet nicht, ist nur schwer zu recyceln und verursacht bei der Müllverbrennung hochgiftige Schadstoffe.
In vielen Plastikgegenständen sind gesundheitsschädigende Chemikalien, die schon während des Gebrauchs ausgasen oder durch Wasser, Fett oder Hautkontakt gelöst werden.
Wir wolllen Ihnen an dieser Stelle anhand einiger Gegenstände des tägliche Bedarf Hinweise und Anregungen zu diesem Thema geben.
Rat und Tat
Die häufigsten Kunststoff-Kennzeichnungen und Kurzzeichen (Recyclingcodes)
Es gibt eine freiwillige Kennzeichnungspflicht für Verpackungen. Danach sind Kunststoffarten mit internationalen Kurzbezeichnungen oder Zahlen zu deklarieren.
Im Folgenden die am häufigsten anzutreffenden Kunststoffmaterialien und deren Kennzeichen:
01 = PET Polyethylenterephtahalat = Polyester
02 = PE-HD Polyethylen hoher Dichte
03 = PVC Polyvinylchlorid
04 = PE-LD Polyethylen niedriger Dichte
05 = PP Polypropylen
06 = PS Polystyrol
07 = PBT Polybutylenterephtahalat und andere Kunststoffe
08 = PC Polycarbonat
Weitere Kunstoff-Kurzzeichen finden Sie unter www.code-knacker.de/kunststoffe oder de.wikipedia.org/kurzzeichen
Verpackungskunststoffe sind einheitlich gekennzeichnet. Sie finden die Bezeichnung, das Kurzzeichen (beschreibt in Großbuchstaben den hauptsächlich im Produkt enthaltenen Kunststoff) oder den Zahlencode in einem Dreieck, auf den Verpackungen.
Polyvinylchlorid, PVC - Gesundheits- und umweltgefährdender Kunststoff
Dieser Kunststoff ist sehr verbreitet aber auch sehr umstritten. Er besteht aus einer Mixtur verschiedener, gesundheitsschädigender, krebserregender Chemikalien, wie Weichmacher (s. u.), Flammschutzmittel oder Organozinnverbindungen.
Diese Substanzen dunsten aus oder werden durch Fett, Wasser oder Speichel gelöst und über die Haut, den Mund und die Atmung aufgenommen.
Ein weiterer großer Problembereich ist die Verbrennung von PVC, bei der Salzsäuregas und die hochgiften Dioxine entstehen. Die Müllverbrennungsanlagen in Deutschland haben mittlerweile Filtersysteme, die diese Schadstoffe auf ein Minimum reduzieren. Aber bei Brandunfällen kommt das enorme Gefahrenpotential von PVC zum Tragen. Gerade auch, weil dieser Kunststoff im Baubereich so breite Anwendung findet; Elektrokabel, Bodenbeläge, Dachplanen, Tapeten und vieles mehr besteht aus PVC.
Weitere Informationen zum Kunststoff PVC finden Sie z.B. unter:
PVC vermeiden
Unterschieden wird zwischen Hart- und Weich-PVC. Ersteres findet sich vor allem im Baubereich. Weich-PVC hat eine noch weitere Verbreitung.
Um PVC zu vermeiden sollten Sie auf mögliche Kennzeichnungen oder Begriffe wie “Vinyl”, “CV” oder “VC” achten. Aber nicht alle Gegenstände aus diesem Kunststoff sind mit den Zeichen PVC, 03 oder dem Namen Polyvinylchlorid gekenzeichnet. Setzen Sie ihre Nase ein, Kunststoffe, die unangenehm, “chemisch” riechen bestehen häufig aus PVC. Vermeiden Sie solche Produkte. Meist gibt es unproblematische Alternativen.
Die Palette der Produkte aus diesem umwelt- und gesundhetsschädlichen Kunststoff ist schier unendlich. Wir listen hier einige Waren und Gegenstände auf, bei denen ganz besonders häufig der Kunststoff PVC verwandt wird:
Verpackungen für Lebensmittel
Glas ist für viele Experten die optimale Verpackung für Lebensmittel. Es ist hundertprozentig undurchlässig und verhält sich vollkommen produktneutral. Aus diesem Grund wird in Deutschland beispielsweise Babynahrung ausschließlich in Gläsern angeboten.
Neben Glas sind auch Behältnisse aus Edelstahl, Porzellan oder Keramik gut zur Lebensmittelaufbewahrung geeignet.
Insbesondere fetthaltige Lebensmittel, wie Wurst oder Käse, die in Kunststoff verpackt sind sollte man vermeiden, bzw. auf die Kunststoffkennzeichnung, s.o., achten.
Informieren Sie sich unter der gleichlautenden Veröffentlichung des Umweltbundesamtes über diese problematischen Bestandteile von Kunststoffen
www.umweltbundesamt.de/weichmacher
Bisphenol A
"Bisphenol A wird in großem Umfang bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen sowie Epoxidharzen verwendet und kommt in PVC vor.
Wesentliche potentielle Quellen für die Aufnahme von Bisphenol A sind Bedarfsgegenstände, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen wie z.B. Kunststoff-Einwegtrinkflaschen, Babyflaschen Plastikgeschirr oder die Innenbeschichtung von Dosen. Bisphenol A zeigt eine östrogene Aktivität sowie mögliche Auswirkungen auf die Entwicklung des männlichen Reproduktionssystems. Weiterhin besteht Verdacht auf erbgutschädigende Wirkung." Quelle: Zwiener, G./ Mötzl H. (2006). Ökologisches Baustofflexikon. Bauprodukte. Chemikalien. Schadstoffe. Ökologie. Innenraum. Heidelberg. C.F.Müller Verlag. S.64
Über die Gefährlichkeit dieses Stoffes wird gestritten. Viele Wissenschaftler alarmieren, denn die hormonartige Wirkung von Bisphenol A könnte auch für Menschen gefährlich werden. Die Chemikalie geht von Plastik-Produkten in die Nahrung über, wenn der Kunststoff erhitzt wird. Das passiert zum Beispiel beim Erwärmen von Fertiggerichte in der Verpackung oder Baby-Plastik-Nuckelflaschen.
Das Umweltbundesamt rät Eltern Polycarbonat-Kunststoffe zu meiden.
Weitere Informationen:
Umwetlbundesamt (2008). „Bisphenol A“ - Wir haben ein Problem
www.umweltbundesamt.de/gesundheit
Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND
Bisphenol A in Schnullern
In allen zehn durch ein Testlabor im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) untersuchten Schnullern wurde Bisphenol A gefunden. Diese Substanz steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs hervorzurufen. "Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf hormonartige Schadstoffe wie Bisphenol A", sagte Professor Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Berliner Universitätsklinik Charité. "Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Organen. Ist der Körper künstlichen hormonähnlichen Stoffen ausgesetzt, können diese das empfindliche Gleichgewicht der natürlichen Hormone stören." Quelle und weitere Informationen www.bund.net/presemitteilungen
Hersteller nehmen belastete Sauger vom Markt
Hersteller und Anbieter reagieren auf die Veröffentlichung des Umweltverbandes und nehmen Produkte z.T. aus dem Sortiment; mehr dazu hier
"Viele Spielzeuge wie z.B. Puppen, Badetiere, Bälle, Hüpftiere, Scoubidoubänder, Schwimmspielzeug und Schwimmhilfen bestehen aus dem Kunststoff Polyvinylchlorid
(PVC). PVC ist nicht nur umweltschädlich hinsichtlich Herstellung und Entsorgung, sondern enthält auch zahlreiche Schadstoffe, die gesundheitlich bedenklich
sind. Seit Jahren in der Diskussion sind die Phthalate, die als Weichmacher
verwendet werden. Einige Stoffe sind als fortpflanzungsgefährdend eingestuft
und können zu verminderter Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit vor allem bei Männern führen. Ab Herbst 2006 verbietet die EU die drei Phthalate DEHP, DBP und BBP in allen Kinderspielzeugen. Drei weitere Phthalate (DINP, DNOP, DIDP) werden in Spielzeug für Kinder unter drei Jahren verboten, wenn sie in den Mund genommen werden können. Ersatzstoffe für Phthalate sind vorhanden
und vom Umweltbundesamt auf ihre Unbedenklichkeit geprüft.
Weitere Schadstoffe, die vor allem in PVC-Spielzeug vorkommen, sind:
■ Dibutylzinn und andere zinnorganische Verbindungen, die das Hormonsystem und das Immunsystem schädigen
■ Nonylphenol, das auf den Hormonhaushalt wirkt
■ Lösemittel, die Kopfschmerzen, Müdigkeit, Augen- und Schleimhautreizungen auslösen können
■ Schwermetalle wie Blei, das giftig auf Nervensystem und Gehirn wirken kann bzw. Cadmium, das Knochen und Nervensystem schädigt.
Spielzeug aus Hartkunststoff (z.B. Lego, Playmobil) enthält i.d.R. kein PVC." Quelle:www.wilabonn.de.pdf
Die Informationsbroschüre "Spielen und Basteln aber gesund!" gibt Eltern und Erziehern Hinweise, woran sie unbedenkliches Spielzeug erkennen können, bzw. welche Spielzeuge nicht in Kinderhände gehören. Bestellung unter info@wilabonn.de oder unter Tel. 0228/ 201 61 0.
Ansprechpartner
Zum Thema Spielzeug
Antje Lembach
Wissenschaftladen Bonn
Tel. (02 28) 201 61-30
antje.lembach@wilabonn.de
Pinnwand
"Wir sind Kinder des Plastikzeitalters: vom Babyschnuller bis zur Trockenhaube, von der Quietscheente bis hin zum Auto. Plastik ist überall: In den Weltmeeren findet man inzwischen sechsmal mehr Plastik als Plankton und selbst in unserem Blut ist Plastik nachweisbar! Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.
In PLASTIC PLANET sucht Regisseur Werner Boote, dessen eigener Großvater ein Pionier der Plastikindustrie war, weltweit nach Antworten und deckt erstaunliche Fakten und unglaubliche Zusammenhänge auf. Er stellt Fragen, die uns alle angehen: Schadet Plastik unserer Gesundheit? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Wer verliert? Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken!
PLASTIC PLANET ist ein unterhaltsamer und investigativer Film, der zeigt, dass Plastik zu einer Bedrohung für Mensch und Umwelt geworden ist." Quelle und weitere Informationen www.plastic-planet.de
Unterrichtsmaterialien
Aufgrund seiner Vielschichtigkeit und zahlreichen Anknüpfungspunkte eignet sich der Dokumentarfilm auch für einen fächerübergreifenden Unterricht oder eine Projektwoche ab der 9. Jahrgangsstufe.
Auf der Website zum Film finden sich aufbereitete Materialen für den Unterricht.
Linkliste
Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND
Wissenschaftsladen Bonn
Umweltbundesamt
Dokumentarfilm Plastic Planet
Literatur
Gesellschaft Deutscher Chemiker (Hg.) 2003). Green Chemistry – Nachhaltigkeit in der Chemie. Weinheim: Wiley-VCH.
Zwiener, G./ Mötzl H. (2006). Ökologisches Baustofflexikon. Bauprodukte. Chemikalien. Schadstoffe. Ökologie. Innenraum. Heidelberg. C.F.Müller Verlag.
Schmitz-Günther, T. (2007). Wenn Wohnen krank macht. Schadstoffe erkennen, beseitigen, vermeiden. München: Südwest Verlag
Wissenschaftsladen Bonn (2007).
Spielen und basteln – aber gesund.
Zu bestellen beim Wissenschaftsladen Bonn unter www.wilabonn.de
Boote, W./ Ptettin, G. (2010). Plastic Planet – Die dunkle Seite der Kunststoffe. Freiburg. Orange press Verlag
Umweltbundesamt (2010). Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen. Hintergrundpapier. Als Download unter www.umweltdaten.de/publikationen
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Bildnachweis
Kunststoffe im Haushalt: © Brigitte Hiss / Bundesumweltministerium
Recyclingcodes: de.wikipedia.org